Sich an das Gute Erinnern

01/16

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Sich an das Gute Erinnern

Es ist wichtig, sich an die guten Dinge im Leben zu erinnern. Um das Gute in unserem Leben zu stärken, müssen wir uns daran erinnern (engl. „re -member“). Unsere Erinnerung ist sehr kraftvoll. Es gibt keine Vergangenheit außerhalb des gegenwärtigen Moments. Wenn wir uns an etwas erinnern, bringen wir es in die Gegenwart und erwecken es zum Leben. Um so mehr wir uns an etwas erinnern, umso lebendiger und kraftvoller wird es. Wir alle haben diese Fähigkeit – die magische Fähigkeit, Vergangenes wieder auferstehen zu lassen. Alles was wir dafür tun müssen ist uns daran zu erinnern. Die Kraft die dieser Fähigkeit innewohnt kann allerdings sehr groß sein und sie unterscheidet nicht zwischen gut oder schlecht – alles woran wir uns erinnern erwecken wir zum Leben. Deshalb müssen wir uns anstrengen, die guten Dinge zu erinnern und die schlechten Dinge loszulassen. Wir machen alle Fehler und tun etwas, das wir später bereuen. Es kann auch passieren, dass Erinnerungen uns Fehler von anderen bewusst machen. Wenn wir uns diesen negativen Gedanken hingeben werden sie immer wieder auftauchen, darum müssen wir sehr achtsam sein. Wenn wir uns an die schlechten Sachen erinnern, dann werden sich diese in der Welt und in unseren Leben zeigen. Genauso funktioniert es anders herum, wenn wir die guten Dinge vergessen, werden wir sie weder in der Welt noch in unseren Leben wiederfinden.

Das englische Wort für erinnern ist „re-member“. Wörtlich bedeutet dies, wieder ein Teil (englisch: „member“) von etwas zu werden oder etwas wieder zusammenzufügen.

Vor vielen, vielen Jahren lebte ein großartiges, freudvolles und mitfühlendes Wesen. Seit ihrem Dasein gab es Zeiten, in denen sie vergessen wurde, dann wieder erinnert und auch wieder vergessen. Sie war ein außergewöhnliches Wesen, weil sie die Kraft der Erinnerung (englisch: „re- member- ance“) in sich trug. Ihr Name war Isis. „Is“ bedeutet im englischen „ist“, ihr Name erinnert also daran, dass sie einfach nur „ist“. Das „is“ ist ein Bezug zur Realität – das was wirklich „ist“. Der Yoga lehrt uns, dass die Realität „satchidananda“ ist – Wahrheit (sat), Bewusstsein (chit) und vor allem Glückseligkeit (ananda). Für mich hört sich das auf jeden Fall danach an, als sei es etwas Gutes. Für die antiken Ägypter war Isis die göttliche Personifizierung der Perfektion, die durch die Fähigkeit entsteht, Dinge zu verbinden und zusammenzubringen. Ihr Mann „Osiris“, wurde in mehrere Teile geteilt (englisch: „dis -membered“), sein Körper wurde zerschnitten und seine Einzelteile im gesamten Universum verteilt. Er wurde entzweit, auseinander genommen, und von fast allen vergessen. Isis hat ihren Mann allerdings nie vergessen. Sie machte sich auf, ihren Mann wieder zusammenzufügen und seine einzelnen Teile wieder zusammenzubringen (englisch: „re – member“). Ihr Mann war Gott und sie machte sich auf, sich an Gott zu erinnern. Sie besuchte alle Orte an die sie gelangen konnte und auch zu allen anderen fand sie Mittel und Wege, diese zu erreichen. Es gelang ihr, alle Teile von Osiris wieder zu finden, zusammenzufügen und zu verbinden.

Die Ägyptische Hieroglyphe für Isis sieht aus wie ein Stuhl, also ein Sitz. Es symbolisiert die Qualität von Isis Verbindung zu Erde, die es ihr möglich machte, komplett zu bleiben und ihren Mann ebenso wieder komplett zusammenzufügen. ‚Asana“ bedeutet Sitz. Durch das Üben von asana können wieder diese Qualitäten in uns wieder finden und unsere Verbindung und Beziehung zu Anderen in einen harmonischen und ausbalancierten Zustand bringen. Die Asanapraxis erdet uns und unterstützt uns daran zu erinnern was wirklich wichtig ist und alles andere loszulassen. Alles Gute ist besonders wichtig. Uns wohnt allen die Fähigkeit Isis inne, sich an das Gute zu erinnern und die Asanapraxis bringt uns in Kontakt mit dieser besonderen Kraft.

Ich will damit nicht ausdrücken, dass es in unserer Vergangenheit keine schlechten Dinge gab oder, dass wir versuchen sollten diese zu verdrängen oder so zu tun als wäre alles immer nur gut und perfekt war. Mein Vorschlag ist es einfach sich an eine Kraft und Fähigkeit zu erinnern, die wir alle haben, sich zu entscheiden, ob wir uns in Negativem suhlen wollen oder unseren Fokus auf das Gute und Positive lenken. Unser eigenes Potenzial hält unendlich viele Möglichkeiten für uns bereit – Wir müssen kein Opfer unser vergangenen schlechten Erinnerungen sein. Unsere Gedanken lassen die Realität in der wir Leben entstehen. Wir haben immer die Wahl worauf wir unseren Fokus richten. Selbst wenn uns furchtbare Dinge widerfahren sind, können wir uns darin üben diese loszulassen und uns Erinnerungen an das Gute ins Gedächtnis zu rufen. Wenn wir uns nicht an das Gute erinnern, werden wir es vergessen, und uns wird nichts Gutes widerfahren können. Es liegt an uns. Also, erinnere dich an die guten und schönen Dinge im Leben, denk über sie nach und teile sie mit anderen. Falls es dir schwer fällt die schlechten Erinnerungen hinter dir zu lassen und die guten in den Vordergrund deiner Erinnerungen rücken zu lassen, dann versuche deinen Geist mit den heiligen Mantras wir „OM“ oder den anderen Namen Gottes zu füllen, oder nutze das Mantra „Lass Los“ und lass dann deinen dir innewohnenden göttlichen Teil die Erinnerung an das Gute übernehmen. Lass dein Leben und deine Erinnerungen an das Gute ein Vorbild für andere werden und nutze deren Beispiel von guten Dingen in dem du ihnen zuhörst und die Guten Dinge ihres Lebens weiter trägst und davon berichtest. Zusammen können wir Isis verkörpern und eine ganz reale Welt voller guter Dinge wieder entstehen lassen.
Original im Englischen: Sharon Gannon
Co – Founder of the Jivamukti Yoga Method
Übersetzung ins Deutsche: Moritz Ulrich
Peace Yoga Berlin – Jivamukti Yoga School